Stress

Eine Konfrontation mit Situationen, die das Pferd nicht als ungefährlich einstufen kann, bereitet ihm Stress, auf welchen es instinktiv versucht, mit Flucht zu reagieren.

Fight or Flight?

Eine Konfrontation mit Situationen, die das Pferd nicht als ungefährlich einstufen kann, bereitet ihm Stress, auf welchen es instinktiv versucht, mit Flucht zu reagieren. Häufig wiederkehrende, mit Stress für das Pferd einhergehende Situationen können sein:

  • Transport im Pferdehänger
  • Turnieratmosphäre
  • Stallwechsel/Eingewöhnung in neue Umgebung
  • Absetzen/Trennung von Stute und Fohlen
  • Wechsel von Stallgenossen
  • Extreme Witterungsverältnisse (z.B. Gewitter)
  • Laute Geräusche (z.B. Traktor, Schreie, schnelle Fahrzeuge, Feuerwerk)
  • Tierarztphobie
  • Hufschmiedbesuch
  • Boxenruhe

So können bestimmte Faktoren nervöses Verhalten auslösen bzw. Nervosität oder Ängstlichkeit als Wesenszug verstärken. Schreckhaftigkeit, nervöse Unruhe oder Überreiztheit können die Folge sein. Besonders höher im Blut stehende Pferde zeigen sich dabei aufgeregter und unruhiger; aber auch Pferde, die normalerweise nicht aus der Ruhe zu bringen sind, können durch außergewöhnliche Ereignisse unnötig unter Stress geraten. Das Handling ohne Gefahr für Pferd und Besitzer kann dadurch sehr erschwert bis unmöglich werden. Zudem kann es zum Nachlassen der Konzentrationsfähigkeit kommen, was das Pferd daran hindert, in Wettkampfsituationen sein volles Leistungspotential abzurufen. Wird die natürliche Stress-Toleranzschwelle eines Pferdes zu sehr ausgereizt, kann dies daher langfristig zu unerwünschtem Verhalten (z.B. Koppen, Weben), Verhaltensänderungen (z.B. dauerhafte Schreckhaftigkeit ohne ersichtlichen Grund) oder sogar gesundheitlichen Problemen (z.B. Magengeschwüre) führen.

Ursachenforschung – was ist der Auslöser?

Derartige Stressreaktionen können einerseits lediglich die Äußerung des Pferdes auf ein gesundheitliches Problem darstellen (z.B. Atemnot bei zu stark angewinkelter Kopfhaltung, Dauerrosse bei Stuten als Hinweis auf Unregelmäßigkeiten des Eierstocks). Zudem muss eindeutig zwischen einer Schmerzreaktion, aggressivem Verhalten und Angst/Unsicherheit unterschieden werden. Dies sollte optimalerweise durch das Hinzuziehen eines Experten (z.B. Tierarzt mit Spezialisierung auf Verhaltenskunde) erfolgen. Andererseits können übermäßige Schreckhaftigkeit, nervöse Unruhe oder Überreiztheit jedoch auch auf ein Defizit an wichtigen Nährstoffen für die ungestörte Funktion von Nerven- und Muskelgewebe hindeuten.

Mängel? Ausgleichen!

Ein Mangel an Magnesium oder Zink kann ein schwaches Nervenkostüm durchaus begünstigen. Zudem können auch Vitamine des B-Komplexes sowie die Aminosäure Tryptophan nervöses, unruhiges Verhalten beeinflussen.

Magnesium

Das Mengenelement Magnesium ist ein lebenswichtiger Mineralstoff und spielt eine entscheidende Rolle im Nerven-, Muskel- und Knochenstoffwechsel. Ein Mangel an Magnesium, der sich gerade in Leistungshochphasen, die mit einem Verlust an Magnesium und anderen wichtigen Spuren- und Mengenelementen über den Schweiß einhergehen, einstellt, kann die Reizempfindlichkeit der Nervenzellen erhöhen. Ein Magnesiummangel ist wahrscheinlich, wenn das Pferd neben einer übermäßigen Erregbarkeit auch Muskelverspannungen aufweist sowie auf leichte Berührungen sehr sensibel reagiert. Besonders in Stresssituationen ist der Bedarf an Magnesium erhöht, da durch die Einwirkung des Stresshormons Adrenalin sehr viel mehr Magnesium als sonst verbraucht wird. Da der Magnesiumgehalt in den Grundfuttermitteln Heu, Silage, Gras und Getreide sehr schwankt, kann eine ausreichende Tagesbedarfsdeckung über den Erhaltungsbedarf hinaus hierdurch nahezu nicht gewährleistet werden. Pferde, die Leistung erbringen müssen – dabei ist hiermit bereits das normale Bewegungsprogramm eines Reitpferdes als Leistung anzusehen – sind in der Regel unterversorgt mit Magnesium, wenn sie nur mit Heu/Silage, Gras und Hafer (oder einer anderen Getreideart) gefüttert werden.

Zink

Zink stellt ein essentielles Spurenelement dar, das vom Organismus nicht selbst synthetisiert werden kann und daher kontinuierlich mit der Nahrung zugeführt werden muss. Als elementarer Co-Faktor von über 200 Enzymen ist Zink an der Abwicklung vieler essentieller Stoffwechselvorgänge beteiligt; so u. a. auch an der Förderung eines starken Nervenkostüms. Ein Mehrbedarf an Zink ist daher neben dem Fellwechsel oder bei Haut- und Hufproblemen auch bei gehäuftem Auftreten von Stress gegeben. Zinkmangel kann sich sehr vielgestaltig äußern und mitunter zunächst durch unspezifische Veränderungen in Erscheinung treten. Neben Ekzemen, Wundheilungsstörungen, Wachstumsstörungen oder erhöhter Infektanfälligkeit kann auch Schreckhaftigkeit auf einen Mangel an Zink hindeuten.

Vitamin-B-Komplex

Für eine optimale Funktion des Nervengewebes ist auch das Vorhandensein von Vitaminen des B-Komplexes unerlässlich. Hier nehmen allen voran Vitamin B1 (Tiamin) und Vitamin B6 (Pyridoxin) wichtige Positionen im Stoffwechsel von Nerven, Gehirn und Muskeln sowie als Baustein von Botenstoffen für die Reizübertragung zwischen Nervenzellen ein.

Tryptophan

Die essentielle Aminosäure L-Tryptophan zeichnet sich als Vorstufe des Botenstoffs Serotonin durch ihre beruhigenden Eigenschaften aus und wirkt sich besonders positiv auf das Wohlbefinden aus. In der Regel ist die Versorgung mit Tryptophan besonders bei Pferden, die eine ausgewogene, proteinreiche Ration erhalten, gesichert. Ein Mangel ist unter normalen Gegebenheiten unwahrscheinlich, jedoch kann eine zusätzliche Zufuhr von Tryptophan als Ergänzung zur normalen Ration die Reizbarkeit der Nerven reduzieren.

 

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